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Das Seminar funktioniert nicht?

     Info-Brief 11/2003 - "Das Seminar funktioniert nicht?"




Manchmal sehen Seminarteilnehmer nicht sofort nach Besuch des Seminars einen Fortschritt in Ihrem Leben, ja manchen erscheint es sogar so, dass Ihr Leben zunächst eher schwieriger würde! Bevor ich diesen Sachverhalt erläutere, möchte ich Ihnen zuerst eine Frage stellen:

Haben Sie ein Problem / Probleme?

Nein? So würde ich vielleicht zuerst auch spontan antworten!

Nur: Was ist eigentlich ein Problem?

Das philosophische Wörterbuch (Alfred Kröner Verlag, Ausgabe 1965) beantwortet die Frage wie folgt: "(vom griech. probleme, "das Vorgelegte"), eine ungelöste, zwecks ihrer Lösung bearbeitete Aufgabe oder Frage".

Mit welcher Aufgabe und/oder Frage beschäftigen wir uns denn die ganze Zeit, unser ganzes Leben hindurch? Mit unserem Leben selbst, mit dem, was wir als sinnvoll und angenehm empfinden, mit unserer ganz persönlichen Definition von "Erfolg" und "Lebensqualität"! Und wir empfinden jede Situation als "Problem", die (noch) nicht unseren Vorstellungen entspricht! Unsere Vorstellungen wiederum werden uns bewusst durch die ganz konkreten Ziele, Wünsche und Träume, die wir hegen!

Je länger wir eines dieser Ziele, Wünsche und Träume nicht erfüllen können, desto mehr empfinden wir diese Situation als Problem. Meiner Erfahrung nach wird jede Veränderung im Leben in drei Schritten erreicht:

Schritte zur Lebensveränderung

Was passiert nun in persönlichkeitsbildenden Seminaren? Im Persönlichkeitstraining liegt der Schwerpunkt auf den Schritten 1 + 2, das Kommunikationstraining beschäftigt sich hauptsächlich mit Schritt 2, und im Mentaltraining liegt die Konzentration auf Schritt 2 + 3. Scheinbar sind alle drei Schritte abgedeckt, trotzdem wird das Ziel manchmal nicht sofort erreicht, sondern - wie oben erwähnt - erscheint es sogar so, dass Ihr Leben zunächst eher schwieriger würde! Hat in diesem Fall das Seminar nicht funktioniert?

Mitnichten! Betrachten wir, was im Seminar passiert, und vergleichen dies mit dem "normalen" Leben, so kommen wir zu einer interessanten Feststellung. Wenn Ihr Ziel klar ist und Sie die nötige innere Motivation (den "Sog") aufgebaut haben, so werden Sie Ihr Ziel erreichen, wenn die Blockaden - verglichen mit Ihrer inneren Motivation - eher klein sind. Vergleichbar ist dies mit einem Arbeiter am Fließband. Dieser muss "nur" vergleichsweise geringe Blockaden überwinden, z.B. die Abscheu vor einer solch monotonen Arbeit.
Nehmen wir aber dagegen an, dass Sie in dem gleichen Unternehmen als Geschäftsführer angestellt sind, so sind Sie mit ungleich größeren Blockaden konfrontiert: von Selbstzweifeln über die Last der Verantwortung für Ihre Mitarbeiter bis hin zur Angst vor der Konkurrenz. Je mehr Sie die innere Motivation aufgebaut haben, desto mehr werden Ihnen diese gewaltigen Hindernisse bewusst! Das Seminar hat funktioniert: es zeigt Ihnen genau, in welchen Bereichen es noch etwas zu tun gibt. (Und oft können diese Veränderungen nicht in einem Seminar erreicht werden, denn auch der Schwerpunkt des Mentaltrainings liegt mehr im Schritt 2 als im Schritt 3.) Diese genaue Erkenntnis ist nur möglich, wenn die Energie hoch genug ist, um die kleinen Blockaden zu überwinden und sofort zum Kern des Problems vorzudringen! Die Aufgabe, die nun vor Ihnen liegt, ist höchst individueller Art, und kann im persönlichen Coaching bearbeitet werden. Dabei gilt der sogenannte "Eisberg"-Effekt für das, was zu tun ist: Wie bei einem Eisberg in den Gewässern nahe des Nord- oder Südpols liegt auch hier die Ursache für das Hindernis unter der Oberfläche, nur der kleinste Teil ist sichtbar.

Noch etwas ist interessant an diesem Sachverhalt des scheinbaren Nicht-Funktionierens der Seminare: Wenn Sie auf einen solchen "Eisberg" gestossen sind und seine hinderliche Resonanz auflösen, so wird nicht nur der Weg zu diesem speziellen Ziel frei, an dessen Verwirklichung er Sie gehindert hat - vielmehr können zahlreiche "Nebeneffekte" auftreten, indem auch andere Ziele leichter und möglicherweise überraschend nebenbei "erledigt" werden.

Insofern betrachte ich es heute eher als "Geschenk" statt als Scheitern, wenn mir ein Seminarteilnehmer berichtet, dass er noch "an einem dicken Brocken knabbert" - es zeigt, dass er etwas wirklich Wichtiges in seinem Leben aufzulösen bereit ist, während derjenige, bei dem alles auf Anhieb glatt ging, vielleicht sein Ziel nicht groß genug gewählt hat!