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Info-Brief 7/2003 - Kondratieff-Zyklen und Erfolg durch Vertrauen
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(Kursiv gesetzte Texte in diesem Bericht sind Zitate aus dem Bericht "Die
Grenzen des modernen Wachstums" aus der Süddeutschen Zeitung vom 07.07.03).
Dieser basiert auf dem Buch "Die Geschichte der Zukunft" von
Erik Händeler.
Der derzeitige Abschwung scheint nicht vermeidbar zu sein. Scheinbar unaufhaltsam steuert
die Wirtschaft auf höhere Arbeitslosigkeit, zurückgehende Umsätze und Gewinne zu,
und bewirkt damit eine sich immer schneller drehende Abwärtsspirale. In der Politik
führt dies zur inflationären Verwendung der Begriffe "Reform", "Beschleunigung" und "Wandel".
Doch die Politiker offenbaren mit der häufigen Verwendung dieser Worthülsen nur
ihre Ratlosigkeit, stehen diese Begriffe doch nur als "Synonyme für neue
Herausforderungen, die mit den gestern angelernten und eingeübten Instrumentarien der
Gegenwartsbewältigung offensichtlich nicht mehr zu bewältigen, sind."
Spätestens hier lohnt es sich, Wirtschaft nicht nur als ökonomischen, sondern als
gesamtgesellschaftlichen Vorgang zu betrachten, wie es der russische Ökonom Nikolai
Kondratieff in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts durch seine Theorie langer
Wellen des Auf- und Abschwungs getan hat. Der derzeitige Abschwung ist die lange
"Abschwungphase des fünften Kondratieff, der durch die Basisinnovation Informationstechnik
getragen wurde, und in der jeder zusätzliche und noch leistungsfähigere Computer auf dem
Büroschreibtisch die Effizienz der Arbeit nicht mehr erhöht."
Mit dem nächsten Aufschwung ist erst dann zu rechnen, wenn man sich geistig von dem
Anspruch verabschiedet, mit den Mitteln des zu Ende gehenden Kondratieff-Zyklus'
den nächsten Aufschwung verursachen zu können. Vielmehr ist die Einsicht gefragt,
den sich bereits seit längerer Zeit abzeichnenden Trend zu kooperativem, respektvollem,
vertrauensvollem, menschlichen Zusammenarbeiten zu beschreiten, um das zweifellos vorhandene
Produktivitätspotential unserer (Wissens-)Gesellschaft zu nutzen.
Das "Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser" des russischen Berufsrevolutionäres
Wladimir Iljitsch Lenin muss ersetzt werden durch "Kontrolle ist schlecht, Vertrauen
ist besser". Die positiven Ergebnisse einer solchen Verhaltensweise spiegeln sich nicht
nur in diversen theoretischen Studien (z.B. durch den Ökonom Ernst Fehr von der Universität
Zürich; Arbeit der FH Fulda zum Thema "Kooperation unter Egoisten"), sondern sind durch
beeindruckende
Beratungsergebnisse in
Firmen längst auch in der Praxis bestätigt.
Vorbei sind die Zeiten, in denen die Politik ihren Wählern vermitteln konnte, dass die
Wirtschaft durch niedrige Zinsen, hohe Staatsausgabe, der Ausweitung der Geldmenge oder
Senkung der Lohnnebenkosten wachsen könne. Die Volkswirtschaft muss sich entwickeln, und
Entwicklung basiert auf Innovation. Nach der Theorie der Kondratieff-Zyklen ist der
nächste Innovationsschritt die Veränderung der Art des menschlichen Zusammenarbeitens.
Es geht nicht mehr darum, die Informationsströme zwischen Mensch und Maschine zu verbessern,
sondern eine neue Basisinnovation steht nach einem der namhaften Adepten Kondratieffs,
Leo A. Nefjodow, an: die Entwicklung der Voraussetzungen, die zu psychosozialer,
ganzheitlicher Gesundheit führen. In der Geschäftswelt sind diese Ziele bereits seit
längerer Zeit im Gespräch, wenn es auch den meisten Unternehmen (noch) nicht gelingt, ihr
derzeitiges Weltbild zu verlassen, und diesen Anspruch wirklich umzusetzen: mit den
Begriffen der "Work-Life-Balance", der "emotionalen Intelligenz" und der "Stärkung der
Motivation" werden auch heute immer noch oft nur diejenigen Methoden benannt, die in einer
stärkeren Leistungswilligkeit des Mitarbeiters münden sollen.
Die echte Innovation liegt jedoch woanders: Indem die Zielsetzung verändert wird - dem
Mitarbeiter Entwicklungsmöglichkeiten und Lebensqualität zu bieten. Mit dieser Betrachtung
des Mitarbeiters als Mensch statt als Produktionsfaktor gelingt die Abkehr vom
jahrhundertealten Bild des auswechselbaren Menschen, die Folge ist die Tatsache, dass die
richtigen Menschen zu den richtigen Unternehmen finden werden, bei denen sie die Erfüllung
ihrer ganz privaten Träume und Wünsche vorantreiben können, indem sie in ihrer Arbeit
Tätigkeiten ausführen, die damit in bestmöglicher Resonanz stehen. Was dann mit unserer
Wirtschaft und den Unternehmen passiert, die eine solche Vorgehensweise wählen, sind die
meisten heute noch nicht imstande zu erkennen.
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