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In dem Buch "Mysterium Geld" setzt sich Bernard A. Litaer,
Zentralbankier und professioneller Währungsspekulant, Berater von multinationalen
Konzernen wie von Regierungen in Entwicklungsländern, Universitätsprofessor
für internationales Finanzwesen und Präsident eines elektronischen
Zahlungssystems äußerst kritisch mit unserem Geldsystem auseinander. Er unterscheidet
dabei zwischen Yang-Geld (dem Geldsystem mit eher männlichen Eigenschaften) und
Yin-Geld (mit eher weiblichen Eigenschaften).
Die Folgen dieses Systems sind offensichtlich: Jegliches Handeln reduziert sich auf eine sehr kurzfristige Perspektive. Politiker wählen ihre Aktionen mit Blick auf kurzfristige Stimmengewinne aus. Wirtschaftsunternehmen sind dem "Shareholder-Value"-verpflichtet. Zwei schlechte Quartalsergebnisse führen sofort zu grundlegenden Restrukturierungen, Einsparungsmaßnahmen bis zur harten Kritik an Vorstand und Geschäftsführung. In der Fußball-Bundesliga sind die Trainerposten als "Schleudersitze" seit langem bekannt. Eine andere Welt ist heute schwer vorstellbar. Denn das Geldsystem ist unser grundlegendes Weltbild - alles, was wir wahrnehmen, wird durch die Brille dieses Systems betrachtet. Es wird gewissermaßen als "Teil unserer Natur" angesehen, und tatsächlich basiert der gesamte Bereich der Wirtschaftswissenschaften auf dieser Annahme eines Zinsgeldsystems mit allen Folgen. Doch es geht auch anders: Schon im alten Ägypten war über mindestens 1500 Jahre neben dem Yang-Geld ein wesentlich bedeutsameres Yin-Geld in Anwendung. Dieses verlor kontinuierlich an Wert, es hatte somit einen wesentlich natürlicheren Ansatz, denn die meisten anderen Güter verloren ebenfalls mit zunehmendem Alter an Wert. Im Mittelalter begann England 973 n. Chr. ebenfalls mit der Einführung eines solchen Geldes. Dänemark, Böhmen, Ungarn, Polen und Deutschland folgten ab 1075 n. Chr. innerhalb einer Generation. Auch wenn die Methodik zur Realisierung des Wertverlustes des Geldes in Europa nicht den ausgeklügelten Stand Ägyptens erreichte, so ist diese Zeit des Hochmittelalters doch für ihre extreme Lebensqualität bekannt. Handwerksgesellen arbeiteten im Jahresdurchschnitt ca. 4 Tage pro Woche zu je 6 Stunden pro Tag. Auffallend ist die extreme Bautätigkeit, Städteneugründungen und vor allem der Bau zahlreicher Kathedralen fällt in diese Zeit. Die Orientierung der Menschen (denn diese bauten und diesen gehörten auch die Kathedralen, nicht den Kirchen) war klar langfristig angelegt: Damals profitierten sie durch die Kathedralen vom ständigen Pilgerstrom, und sogar heute, 700 - 900 Jahre später sind Städte mit solch großen, beeindruckenden Bauwerken Anziehungspunkt für zahlreiche Touristen. Eine solch langfristige, vorausschauende Handlungsweise verbietet sich heute quasi von selbst - durch das derzeit herrschende Geldsystem! Die Folgen sind zwar von Land zu Land unterschiedlich, aber für alle gleichermaßen fatal: Rohstoffreiche Länder beuten für den kurzfristigen Profit ihre Bodenschätze und natürlichen Ressourcen aus, ohne einen Gedanken an die Zukunft zu verschwenden. In Ländern wie Deutschland, wo der nahezu einzige "Rohstoff" das Wissen, die Kreativität und Innovationskraft, die Zuverlässigkeit und Disziplin der Menschen ist, konkurriert die Sicherheit, die der Einzelne durch die Anlage seines Verdienstes erzielen kann, mit dem Bedürfnis nach Weiterbildung und Höherqualifizierung, die einen Teil eben dieses Geldes kostet (das Geld des Einzelnen, seines Arbeitgebers und / oder des Staates). Sicherheit durch Geld oder Sicherheit durch Fähigkeiten - das ist das auf einen kurzen Nenner gebrachte Dilemma, in dem heute jeder steckt. Von Henry Ford stammt der Satz: Wer aufhört zu werben, um Geld zu sparen, kann ebenso seine Uhr anhalten, um Zeit zu sparen.. Wer die Quintessenz dieser Weisheit auf die Fort- und Weiterbildung anwendet, der kommt zu dem Schluß: Wer aufhört, in seine persönliche Qualifikation, in seine Fähigkeiten und seine Persönlichkeit zu investieren, der wird irgendwann das Nachsehen haben. |