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Info-Brief 6/2004 - "Haben wir einen freien Willen?"
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Wenn man mit Menschen spricht, die sich mit
spirituellen Thematiken beschäftigen, so kommt immer wieder die
Frage nach dem freien Willen auf, gerade wenn es darum geht, ob
und wie man mit Arbeit an sich selbst (Seminaren, Coachings, Therapie, ...)
sein Leben zum Positiven oder noch Positiveren wenden könne.
In der indischen Philosophie wird als Begründung der Tatsache, dass wir
keinen freien Willen hätten, gerne die Advaita-Philosophie zitiert, die
Lehre der "Nicht-Zweiheit". Eine Argumentation lautet dann oft, dass der
Mensch und Gott nicht getrennt sind, alles im Universum hängt mit allem
anderen zusammen. Demzufolge sind wir vollständig dem Willen Gottes
unterworfen, wenn wir handeln, handelt Gott durch uns und wir glauben nur,
zu handeln. Eine andere Argumentation lautet, dass wir vollständig das
Produkt unserer Gene und/oder vergangenen Erfahrungen wären. Unsere jetzigen
Entscheidungen fällen wir - als vollkommen logische und bestmögliche Wahl -
aufgrund dieser Vergangenheitserlebnisse. Deshalb lässt diese Konstellation
jeweils nur eine Entscheidung zu, auch wenn wir uns einbilden würden, zu
"wählen".
Ich kann und werde mir kein "Urteil" über das Für und Wider aus dem philosophischen
Blickwinkel anmaßen, aber ich werde den Aspekt des freien Willens aus der
aktuellen Beobachtung beleuchten.
Für mich stellt sich die Situation heute so dar, dass so gut wie alle Menschen
einen mehr oder weniger großen Teil ihrer Freiheit eingebüßt haben, und das nicht
nur in finanzieller Hinsicht, für die im Newsletter
Kurzfristiges/langfristiges Denken eine Lösung angedeutet ist. Der
Lösung der Situation in der Materie geht immer eine geistige Lösung voraus.
Geistig wurden die Menschen jedoch - oft sehr gezielt - durch die verschiedensten
Informationen geprägt und manipuliert: Medien, Erziehung, Schule, Werte, usw. haben
tiefgreifende "Programmierungen" in die Gehirne der Menschen eingepflanzt. Allein
im Laufe der Erziehung hat der Mensch (nach einer Studie der Harvard-Universität) ca.
150.000 einschränkende Sätze zu hören bekommen: "Das kannst Du nicht!", "Das darfst
Du nicht!", "Dafür bist Du noch zu klein!", usw.
Die größte Wirksamkeit entfalten diese einschränkenden Sätze, wenn das
Bewusstsein nicht völlig gegenwärtig ist. Wer also unter Stress oder Schmerzen
leidet, für den wird dieser Satz - umso mehr, je weniger er
geistesgegenwärtig ist - zur "unabänderlichen Wahrheit". Drei Beispiele dafür
mögen dies verdeutlichen.
Eines der höchsten Stressniveaus haben wir zweifellos, wenn wir uns krank fühlen.
In diesen Situationen gelingt es den Medien (durch die Erzeugung von Angst im
Zusammenhang mit der Krankheit und dem Gefühl der Sicherheit, die mit der "chemischen
Lösung" der Pharmaindustrie verbunden wird), den Menschen den Glauben an die
Wirksamkeit von Medikamenten (Antibiotika von anti = gegen, bios = das Leben)
"einzuimpfen". Dieses Gefühl der Sicherheit wird noch verstärkt durch das
entsprechende Auftreten und die Ausstrahlung von Ärzten sowie ihre zwar oft
mit großer Überzeugung vorgetragenen, ebenso oft jedoch von großem Unwissen
geprägten Aussagen über naturheilkundliche Alternativen. Die Angst vor den
Folgen einer Krankheit verstärkt der Arzt (auf Nachfrage, was denn passieren
würde, wenn man seinem Rat nicht folgt) mit den Worten: "Dann übernehme ich keine
Verantwortung".
So wird ein bestimmtes Gedankengebäude oder Weltbild in das Gehirn der Menschen
"eingepflanzt", das fast nie hinterfragt wird. Als Beweis der Tatsache, dass
das Weltbild kaum einmal in Frage gestellt wird, mögen die Krebskranken dienen,
die nach wie vor brav Medikamente
zur Chemotherapie einnehmen, während das Studium der Nebenwirkungen auf dem
Beipackzettel bereits zu einem lebensbedrohlichen Schock führen könnte - angesichts
der Tatsache, dass es seit über 20 Jahren eine weit schlüssigere, als einzige
als "wissenschaftlich" zu bezeichnende Erklärung für Krebs gibt, eigentlich nicht
zu verstehen. Verstehen kann man solche Handlungsweisen nur dann, wenn man weiß,
wie erfolgreich ein Weltbild im Geist dieser Menschen "implantiert" wurde. Und
das Kennzeichen eines Weltbildes ist, dass es einen anderen Blickwinkel praktisch
nicht zulässt, es ist der "Filter", der die Wahrnehmung im Sinne des Implantats
formt.
Ein zweites, weil gerade aktuelles Beispiel sei noch erwähnt. Sicherlich erinnern
Sie sich noch an die Parteispendenaffäre des "Einheitskanzlers" Helmut Kohl, und
daran, dass die Ermittlungen eingestellt wurden, von einer möglichen Erzwingungshaft
zur Preisgabe der Namen der Spender wurde abgesehen: "aus mangelndem öffentlichen
Interesse"!! Wenn die Person des (Ex-)Bundeskanzlers keinem öffentlichen Interesse
unterliegt, wer dann? Interessant auch, dass die sich christlich nennende Partei
der CDU diesen Menschen, der offensichtlich eine Gesetzeswidrigkeit (oder ein
Verbrechen?) begangen hatte, nicht aus ihren Reihen ausschloß. In der heutigen
(24.6.04) Ausgabe der SZ wird gerade darüber berichtet, dass auch die Stasi-Akten
von Helmut Kohl nicht freigegeben werden - im Gegensatz zu vielen Akten des
"kleinen Mannes". Und auch hier reagiert die CDU nicht. Was hat das alles mit
geistigen Grenzen und Blockaden, mit einschränkenden Glaubenssätzen und Weltbildern
zu tun?
Diese offenbaren sich an der Reaktion der Wähler. Die CDU/CSU-Koalition ist in den
jüngsten Wahlen auf einem starken Aufwärtstrend, die Wähler haben nichts besseres
zu tun, als denjenigen einen "Denkzettel" zu verpassen, die die Situation in den
vergangenen Jahren nicht in den Griff bekamen (vornehmlich der SPD), und ihre
Stimmen dafür der Opposition zuzuschustern, die ihre Unfähigkeit vorher schon
genügend unter Beweis gestellt haben. Was in den Köpfen der Menschen scheinbar
nicht existiert, ist die Möglichkeit, in den Parteiprogrammen der
"Splitterparteien" zu forschen! Hier erfolgte die geistige Manipulation der
Menschen durch die Geschichtsschreiber, Historiker und Geschichtslehrer, die bis
heute behaupten, die "Zersplitterung" der Parteienlandschaft sei ein entscheidender
Grund für den Aufstieg von Adolf Hitler gewesen. Dass dabei noch andere -
möglicherweise weit wichtigere - Gründe eine Rolle spielten, wird geflissentlich
übersehen (siehe "Wer hat Angst vor Silvio Gesell?", Hermann Benjes).
Als drittes Beispiel seien hier Erfahrungen genannt, die vollständig im Leben
des Betroffenen fehlen, sie wurden einfach nie gemacht. Wenn z.B. durch eine
entsprechende "Familientradition" und Erziehung (und auch das Vorbild von Bekannten und
Freunden der Familie) nie die Erfahrung vermittelt wurde, dass Arbeit Spaß machen
könnte (und muss, damit das Ergebnis hervorragend sein kann), so wird diese
Möglichkeit aus dem Weltbild des betroffenen Menschen praktisch ausgeschlossen.
Wenn über Jahrhunderte Religion mit der Erfahrung von Leid verbunden wird und
im Wesentlichen aus äußerlichen Riten und Regeln besteht, so wird die Möglichkeit
aus dem Weltbild ausgeschlossen, dass Religiosität mit Freude praktiziert werden
kann und dass die innere Haltung wesentlich mehr mit Religion zu tun hat als
alles, was von Außen kommt und im Äußeren zelebriert wird.
Wenn über Jahrhunderte die Erfahrung gemacht wird, dass es immer eine große
Anzahl von Menschen gibt, die in unserem Wirtschaftssystem benachteiligt werden,
und dass darüber hinaus wirtschaftliches Handeln immer auch Umweltzerstörung
beinhaltet, so wird die Erfahrung ausgeschlossen, dass Wohlstand für alle Menschen
möglich ist und dass sich ökologisches, nachhaltiges Wirtschaften und ein hoher
Lebensstandard vertragen (und bei einer entsprechenden Änderung des
"Webfehlers" in unserem Geldsystem sogar gegenseitig fördern).
Gibt es überhaupt einen Ausweg aus diesem Dilemma geistiger Grenzen? Natürlich,
sonst hätte ich diesen Artikel nicht geschrieben! Der Mensch ist aus dem Blickwinkel
der Verhaltensforscher ein Opportunist. Opportunisten hören nie auf,
viele verschiedene Lösungen eines Problems zu erforschen, werden nie aufhören,
Fragen zu stellen, nie aufhören, neue Möglichkeiten und Lösungen zu finden. Dieses
Potenzial ist uns angeboren, und ist der erste Schritt zur Erweiterung oder
dem In-Frage-Stellen des eigenen Weltbildes. Wenn wir beginnen, kritische Fragen
zu stellen, so liegt der Erfolg unseres Unternehmens darin begründet, wie viele
der geistigen Vorannahmen wir kritisch prüfen, wie viele Schritte wir zurückgehen
zum Ursprung der geistigen Kette, die zu dem derzeit herrschenden Weltbild, zur
derzeit einzigen Realität für uns, geführt hat.
Ein Beispiel mag dies verdeutlichen: Hätte die Behauptung "Geld
muss Zinsen abwerfen" für Silvio Gesell den Endpunkt seiner Überlegungen dargestellt,
so wäre er nie zu seinen nobelpreiswürdigen Erkenntnissen vorgestoßen. Aber
vielleicht hat er sich ja gefragt, warum es Zinsen abwerfen muss, und ist zu der
Schlussfolgerung gelangt, dass der (vermeintliche) Grund dafür der nötige Geldumlauf
ist. Und dieser ist nötig, da es als Tauschmittel dienen soll. Erst auf der Grundlage
dieser fundamentalen Erkenntnis (ohne die vorher in Frage gestellten geistigen
Blockaden) war es möglich, eine neue, weit besser funktionierende Lösung für die
Aufgabe des Tauschmittels und seinen Umlauf zu finden.
Nur wenigen Menschen gelingt es, ohne fremde Hilfe so weit zurückzugehen, um den
Ursprung eines Problems aufzulösen, wie es Silvio Gesell mit der "Natürlichen
Wirtschaftsordnung" oder Dr. med. Ryke Geerd Hamer mit der "Neuen Medizin" gelungen
ist. Solche Momente können durchaus als "Sternstunden der Menschheit" in der
Geschichte angesehen werden. Gleichwohl kann jeder von uns seine ganz persönlichen
Sternstunden erleben, wenn er (selbst oder mit fremder Hilfe) seine geistigen
Grenzen in Frage stellt. Der freie Wille eines Menschen ist umso eher vorhanden,
je größer die Anzahl der gelöschten "Programmierungen" des Menschen sind.
Je mehr Mauern im Labyrinth des Geistes niedergerissen werden, desto übersichtlicher
wird das Labyrinth, bis es schließlich kein solches mehr genannt werden kann.
Diese Freiheit, seinen Geist zu befreien und seinen freien Willen auf diese Weise
auszuweiten, ist nicht etwas, was einem gegeben werden kann - der Mensch muss
sich diese Freiheit nehmen! Oft ist der Weg zum In-Frage-Stellen mit Leid
gepflastert, das muss jedoch nicht so sein: Wer große, starke Ziele und Visionen
sein eigen nennt, der hat genügend Motivation und findet genügend zu beseitigende
Widerstände (in seinem Geist), so dass kein Leid mehr "nötig" ist, um ihn zur Arbeit
(an sich selbst) zu bewegen und ihn vorzeitig mit allem zu konfrontieren, was -
wenn es nicht bearbeitet würde - auf lange Sicht Leid hervorrufen würde.
Vielleicht stellt ein solcher Mensch dann sogar fest, dass seine Ziele nicht mehr
die Ziele eines kleinen, beschränkten Egos sind, sondern die Ziele seiner Seele,
und beantwortet damit die immer wiederkehrende Frage des großen Weisen der
Advaita-Philosophie, Sri Ramana Maharshi: "Wer ist das Ich, das diesen Wunsch
hegt?" auf die Weise, die ihm und der Gesellschaft am meisten hilft: "Meine Seele"!
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Links der "Aufbau" eines Weltbildes: Es basiert auf einer
Kette von Annahmen. Wenn der Mensch, der dieses Weltbild hegt, es schafft,
die beiden letzten Annahmen kritisch zu beleuchten und sie möglicherweise
als falsch (oder nicht dienlich für sein Leben und Wachstum) erkennt, kann
er ein etwas anderes Weltbild für sich gewinnen, wie in der Abbildung
rechts ersichtlich ist. |
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Diese Abbildung zeigt, was passieren
kann, wenn man bis zu den grundlegenden Annahmen, die einer geistigen Realität
zugrunde liegen, vordringt: Das Weltbild weist in eine völlig andere - im
Idealfall lebens-wertere - Richtung.
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