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Info-Brief 2/2005 - "Die Macht menschlicher Projektionen"
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Als Reaktion auf meinen letzten
Newsletter (12/2004) hat ein Abonnent
mit sehr unfreundlichen Worten den Bezug gekündigt. Sein Vorwurf: Nicht jede
produzierte Chemie vernichtet Lebensgrundlagen, nicht jede Geldanlage verbreitet
Not und Elend auf der Welt. Ich müsse doch als NLPīler über die Unzulässigkeit solcher
Verallgemeinerungen wissen, und es sei totaler Unsinn, was ich schreibe.
Dazu möchte ich mehrere Dinge sagen, da ich denke, dass es für den einen oder anderen
Leser meiner Homepage von Interesse sein könnte.
Ich formuliere meine Newsletter bewusst nicht so wie juristische
Texte oder Gesetzesvorlagen, die alle Eventualitäten berücksichtigen. Schließlich sollen
sie für meine Leser auch noch angenehm zu lesen sein.
Es handelt sich bei seinen Vorwürfen um seine eigenen
Interpretationen (= Projektionen) dessen, was ich geschrieben habe. Tatsächlich habe
ich solche Fälle als Beispiele genannt. Selbst wenn ich der Meinung bin, dass tatsächlich
nahezu jedes heute produzierte Chemieprodukt Lebensgrundlagen vernichtet, und die meisten
Geldanlagen zu Not und Elend führen, so schreibe ich nicht, dass dies für alle in jedem
Fall so sei. Dies ist die Projektion des Lesers, d.h. er sieht das, was in seinem
Bewusstsein ist, im Außen.
Wie verbreitet diese Vorgehensweise ist, zeigen zwei der mächtigsten Institutionen bzw.
Personen der Welt.
Die katholische Kirche z.B. hat stets "das Böse" bekämpft, das sie im
Außen sah. In der Geschichte dieser Institution finden wir Kreuzzüge, die mittelalterliche
"heilige" Inquisition, die Unterdrückung vitaler Triebe des Menschen seit Jahrtausenden
und damit verbunden teils schwerste Traumatisierungen von Milliarden von Menschen,
die Ausbeutung von Gläubigen durch die Kirchensteuer und die Ausbeutung von Nichtmitgliedern
(in Deutschland) über milliardenschwere Subventionen, und das Segnen von Waffen vor
Kriegshandlungen, um nur einige wenige Beispiele zu nennen. Auf diese Art und Weise
zeigt sich "das Böse" in dieser Institution selbst, und manches davon wird noch heute
- in fleißiger fortgesetzter Projektion - "feindlichen Gruppierungen" wie den sogenannten
"Sekten" vorgeworfen, und dabei übersehen, dass der Vorwurf auch heute noch gegen die
Institution selbst gerechtfertigt wäre.
Auch George W. Bush ist ein Musterbeispiel für den Fehler der Projektion. Seine
"Achse des Bösen" legt scheinbar willkürliche Länder fest, die nicht mehr von ihm und
seinem Land akzeptiert werden. Er selbst hingegen, der womöglich bereits zum zweiten
Mal gar nicht gewählt wurde, sondern durch elektronische Wahlmanipulationshilfe an der
Macht blieb, wie Umfragen direkt nach dem Verlassen der Wahlkabine sehr stark vermuten
lassen, sieht den Rest der Welt als Selbstbedienungsladen für das militärisch mächtigste
Land der Erde, und ist bereit, dazu zigtausendfaches Leid in Form von Toten, Verletzten
und Traumatisierten auszulösen. Nutznießer seiner Aktionen sind die Großkonzerne des
Landes, denen weitere Ölquellen erschlossen werden, und die Rüstungskonzerne, die
durch den Waffenverbrauch weitere milliardenschwere Einnahmen verbuchen können.
Vielleicht fragen Sie sich, angesichts dieser beschriebenen Mißstände, ob es überhaupt
möglich ist, zu leben, ohne der Falle der Projektion anheim zu fallen?
Stecke nicht auch ich durch diese beiden genannten Beschreibungen selbst knietief in einer
solchen Projektion fest?
Als Kennzeichen einer "echten" Projektion könnte man sagen, dass man
den Gegenüber (sein Projektionsziel) verurteilt und
Streß mit dem hat, was man beschreibt.
Nur wenn diese Bedingungen erfüllt sind, unterliegt man einer
"echten" Projektion. Als Folge kann man das Thema nicht neutral von allen Seiten
betrachten, man kann sich nicht wirklich damit beschäftigen. Wenn zwei Menschen
oder Parteien einen harten Konflikt zu einem Thema haben, so zeigt dies immer an,
dass mindestens eine Partei ein Problem mit diesem Thema hat - er kann es nicht vollständig
konfrontieren.
Nehmen wir als Beispiel die Kriegshandlungen der USA, die alleine seit dem 2. Weltkrieg
mehr als 2 DIN-A4-Seiten füllen. Hätten sich die USA und ihre Bewohner einmal wirklich
intensiv mit dem Krieg und seinen Folgen beschäftigt, so würden sie wohl kaum den nächsten
beginnen, zu groß ist das Leid auf allen Seiten, als dass dies eine echte Handlungsvariante
sein könnte. Aber schon die moderne Berichterstattung, die uns einen "klinisch sauberen
Krieg" vorgaukelt, zeigt, dass wir weit von einer echten Beschäftigung mit diesem Thema
entfernt sind.
Diese "echte Beschäftigung" ist es, was Projektionen zum verschwinden bringt. Je mehr
Aspekte eines Themas wir innerlich mit einer interessierten, eher neutralen Grundhaltung
konfrontieren und gelassen betrachten können, desto weniger müssen wir dieses Thema
nach Außen projizieren. Das heißt nicht, dass wir alle Mißstände in unserer Welt nicht
mehr erwähnen, aber wir verlieren den damit verbundenen Haß auf die Übeltäter, wir
verlieren die Angst aufgrund des vermuteten Verlustes unserer Sicherheiten usw.
Wenn der heilige Augustinus empfahl, die Sünde zu hassen, aber den Sünder zu lieben, so
führt das vollständige Aufarbeiten eines Themas sogar noch einen Schritt weiter:
Wir lieben den "Sünder" und betrachten die "Sünde" als etwas, was sich zu ändern
lohnen würde. Und aus diesem Ruhen im eigenen Zentrum werden wir viel eher die Kraft
aufbringen und die Gegebenheiten anziehen, die dazu nötig sind, um eine Änderung
herbeizuführen!
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