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Info-Brief 7/2005 - "Grenzen: Der menschliche Zoo"
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Nach vielen Jahren habe ich kürzlich wieder einmal den Augsburger Zoo besucht. Ich
fand es nicht einfach, denn es ist doch teilweise sehr karg und eng, was den für
die große, weite Steppe gebauten Wildtieren dort zugemutet wird - auch wenn es nicht
so schlimm ist wie noch vor 20 Jahren. Oft hat man das Gefühl, die Tiere wüssten um
die Unnatürlichkeit, wie sie gehalten werden.
Später an diesem Tag hat mir eine Mutter erzählt, dass ihre Tochter vor allem dann
"grantig" (das bayerische Wort für ärgerlich, ungehalten) war, wenn sie zwar schon
verstanden hatte, was der nächste Schritt sei (z.B. wie man läuft), dies aber noch
nicht beherrschte. Dieses Verhalten war immer wieder genau beim Übergang zu einer
neuen Fähigkeit zu beobachten.
Diese Fähigkeiten, die man bei Tieren und Kleinkindern zu beobachten glaubt, scheint
den Erwachsenen im Laufe ihres Erwachsenwerdens abtrainiert worden zu sein: Das
größere, bessere, "artgerechtere" zu sehen, auch wenn es (noch) nicht Realität ist.
Ein weiser Mensch hat einmal gesagt: "Horizont ist der Abstand zwischen Kopf und
Brett". Und genau dies ist in vielen Fällen bei den Menschen sichtbar:
wenn Menschen denken, sie müssten sich im Beruf nach dem
"Machbaren" richten, und danach, was an Jobs angeboten wird ... dann verkennen Sie,
dass es durchaus die Möglichkeit gibt, mit höchst ungewöhnlichen Konzepten Geld zu
verdienen (so habe ich z.B. kürzlich eine professionelle Märchenerzählerin
kennengelernt...)
wenn Menschen denken, sie wären machtlos in Bezug auf viele
Aspekte dessen, was in der Welt passiert. Dabei können sie doch schon rein durch ihr
Kaufverhalten bestimmen, unter welchen Bedingungen Nahrungsmittel angebaut werden,
unter welchen Bedingungen Kleidungsstücke hergestellt werden, ob tatsächlich immer
noch mehr Coltan im Kongo abgebaut wird für elektronische Produkte, und dafür der
Bürgerkrieg mit Hilfe von Kindersoldaten von multinationalen Konzernen ständig
geschürt wird, um den Rohstoffpreis niedrig zu halten, usw.
wenn Menschen denken, ein hoher Wissensgrad, wie er in der
Schule immer noch vermittelt wird, sei die Gewähr für ein erfolgreiches Leben - und
dabei übersehen, dass Wissen heute über das Internet in Sekundenschnelle zugänglich
gemacht werden kann, und das wahre Unterscheidungskriterium im Charakter des Menschen
liegt - der heute leider nur in der eigenen Familie oder an Privatschulen in der
Schweiz für die extrem Begüterten so geformt wird, dass aus Kindern wirklich
"lebensfähige" Erwachsene herangebildet werden.
wenn Menschen denken, sie verstünden die Unehrlichkeit vieler
Politiker - und bei den nächsten Wahlen die etablierten Parteien wieder über 90 %
der Stimmen bekommen.
wenn Menschen denken, dass ihre unterdrückten Gefühle und
nicht beendeten Handlungen irrelevant seien für den weiteren Fortgang ihres Lebens,
und dann verwundert sind, wenn die dadurch gebundenen, unterdrückten und verdrängten
Energien ihnen immer mehr
ihrer Lebenskraft rauben, und immer größere Bereiche ihres Lebens beeinflussen.
Gerade dieser letzte Bereich ist besonders interessant, impliziert
er doch die anderen, vorher erwähnten Punkte: Jedes unterdrückte Gefühl, jede
unbeendete Handlung (z.B. wenn man seinem Vorgesetzten, seinem Vater oder seiner Mutter
einmal so richtig die Meinung sagen oder sich sogar körperlich wehren wollte) bindet
Energie. Diese Energie fehlt dabei, ein glückliches, zufriedenes, erfolgreiches Leben
zu führen, was sich in allen Lebensbereichen zeigt (wodurch von gut beobachtenden
Außenstehenden schnell "diagnostiziert" werden kann, welche Mengen an Traumata und
energetischer Unterdrückung bei einem Mensch noch der Bearbeitung harren):
"Lebendige" Menschen, deren
Energie kaum anderweitig gebunden ist, sind aktive Menschen, die ihre Pläne durchführen
und ihre Ziele konsequent verfolgen, sind nahezu immun gegen Krankheiten und Unfälle,
strotzen vor Tatendrang und Überschwang, haben großes Interesse an Sexualität (was sie
häufig in Kreativität umsetzen), können gut mit Kindern umgehen, haben Mut, pflegen
eine hohe Ethik und einen hohen Wahrheitsbegriff, können gut kommunizieren, beenden
schnell destruktive Kommunikation und können sehr differenziert Aussagen betrachten,
suchen andere Menschen zu verstehen, indem sie auch
gegensätzliche Standpunkte einnehmen, und erweitern so ihre eigene geistige Realität,
haben ein hohes Verantwortungsgefühl gegenüber anderen Individuen, aber auch gegenüber
Gruppen, Rassen, Tieren und der Erde, verfallen ohne Drogen nicht in Trance, werden
als Freund geschätzt und von vielen geliebt, was sie besitzen, befindet sich in
ausgezeichnetem Zustand, genießen das Leben und nehmen es als mit Freude und Vergnügen
gefüllt wahr, usw. - mit anderen Worten:
Wer seine Energie "befreit" hat (denn jeder hat Dinge erlebt, die seine Energie
gefangen haben), der führt auf allen Ebenen ein erfolgreiches, gesundes, angenehmes
und genießenswertes Leben.
"Lebende Tote", deren Energie zum allergrößten Teil
anderweitig gebunden ist, sind höchst inaktive Menschen, die kaum Pläne hegen
geschweige denn diese durchführen, sind chronisch krank und höchst unfallgefährdet
bis hin zur Verweigerung der Nahrungsaufnahme, leben im Zustand tiefster Apathie,
haben kein Interesse an Sexualität, sind mutlos, kümmern sich nicht um ethische
Belange und Wahrheit, sprechen wenig und können nicht zuhören - und wenn, dann werden
Aussagen wörtlich genommen, beharren auf ihrem eigenen Standpunkt und unternehmen
nichts, um ihre geistige Realität zu erweitern, kümmern sich im besten Fall nur um
sich selbst, leben in einem Zustand der Dauertrance, sind eine Belastung als Freund
und werden von anderen kaum beachtet, haben oft gar keinen Begriff von persönlichem
Besitz, können das Leben nicht genießen, usw. - mit anderen Worten:
Wer seine Energie nie "befreit" hat und auf vielen Ebenen blockiert ist,
der führt ein erfolgloses, krankes, unangenehmes und freudloses Leben.
Wir alle befinden uns irgendwo zwischen diesen beiden Extremen.
Während körperlich
Behinderte in unserer Gesellschaft oft bedauert und bemitleidet werden, ist der
"geistig Behinderte" (sprich derjenige, der durch geistige Einstellungen an der
Verwirklichung seines höchsten, beinahe göttlich zu nennenden Potenzials gehindert
wird) der Normalfall. Wir alle
könnten noch mehr unserer Energien befreien, könnten noch mehr unseres geistigen
Raums erweitern, könnten noch erfolgreicher, gesünder, verantwortungsvoller und
glücklicher leben.
Der körperlich Behinderte jedoch, der bereits mit dieser Behinderung geboren ist
(oder die Gründe, die zu der Behinderung geführt haben, erfolgreich bearbeitet hat),
kann im geistigen Bereich dem "normalen" Menschen durchaus überlegen sein. Als
Beispiel fällt mir eine blinde Schülerin eines Gymnasiums ein, die ihren Abschluss
mit einer 1 vor dem Komma erworben hat, und auch sonst durch extreme Schaffenskraft
auffiel.
Trotz dieser Erkenntnisse ist derjenige, der entsprechend handelt und eine
Psychotherapie oder Bewusstseinsarbeit
beginnt, in unserer Gesellschaft immer noch
nicht gut angesehen: Worte wie "Klapsmühle", "Irrenhaus", "Psycho" usw. geistern
unreflektiert durch die Gehirne derer, die fürchten, der andere könne sie überflügeln,
und bremsen die Verbesserung des Einzelnen und damit auch der Gesellschaft. Gestern
erzählte mir eine Mutter von ihrem Stolz auf ihren Sohn, als ihr Nachbar dessen Auto
mit bewundernden Blicken musterte. Wann wird der Tag kommen, an dem Mütter mit
von Stolz geschwellter Brust verkünden, dass ihre Kinder durch eine Psychotherapie
oder Bewusstseinsarbeit ihre geistigen Grenzen
niedergerissen haben und nun ihr volles Potenzial leben?
Da fällt mir ein Zitat von Wilhelm Busch ein, das ich abwandeln möchte: Aus Busch´s
Wahre menschliche Kultur gibt es erst, wenn nicht nur die Menschenfresserei,
sondern jeder Fleischgenuß als Kannibalismus gilt! möchte ich folgenden Satz
konstruieren:
Wahre menschliche Kultur gibt es erst, wenn nicht mehr die Unterdrückung des
Verdrängten, sondern die Bearbeitung des Verdrängten bewundert wird.
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