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Info-Brief 2/2007 - "Die Resonanz des Negativen"
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In diesem Info-Brief möchte ich mich mit dem Thema der Medien beschäftigen, und damit, was dort
erfolgreich ist - und was nicht so sehr erfolgreich ist. (Der Grund liegt darin, dass ich - wie schon auf der Seite
mit den Seminarterminen ersichtlich - meinen Tätigkeitsschwerpunkt selbst stark in
dieser Richtung verändert habe: Ich produziere derzeit mit einem Team von Freiberuflern einen Dokumentar- und einen
Spielfilm, die idealerweise in die Kinos kommen sollen, plane eine regelmäßige Sendung in Fernsehsendern (die Pilotsendung
ist produziert; die Verhandlungen sind fortgeschritten), produziere immer wieder kleine Dokumentationen, Videos und
Mitschnitte von Seminaren, Aufführungen, und bin Ende Oktober zu einem Kongreß eingeladen, um dort die Videoaufnahmen
zu produzieren. Auch habe ich festgestellt, dass das Medium "Video" eine große Rolle dabei spielen kann, Top-Platzierungen
in Suchmaschinen zu bekommen, und damit viel Geld, das von vielen Firmen für Google Adwords investiert wird, einzusparen.)
Zurück zum eigentlichen Thema: Wenn man sich ansieht, welche Art von (Dokumentar-)Filmen erfolgreich ist, so fällt auf:
Es gibt viele erfolgreiche Filme, die Mißstände aufzeigen, aber keine Lösungen bieten. "Bowling for Columbine" von Michael
Moore über eine Schießerei in einer Schule in Amerika, "Sicko" von dem selben Autor über die Fehler des amerikanischen
Gesundheitssystems, die Filme "Unser täglich Brot" und noch ein anderer mit dem gleichen Tenor, der Problematiken im Bereich
unserer Nahrungsmittelherstellung, sind durchaus erfolgreich. Einer der bekanntesten ist schließlich "Eine unbequeme
Wahrheit" des ehemaligen amerikanischen Präsidentschaftskandidaten Al Gore, für den dieser sogar den Friedensnobelpreis
bekommen hat.
Vielleicht werden Sie einwenden, dass Moore´s Filme doch Lösungen ansprechen, und die Filme über die Nahrungsmittelproduktion
die Lösung implizit beinhalten, indem man einfach alles anders macht, als dort gezeigt. Doch es fehlt etwas: Bei "Bowling
for Columbine" wird die allgemein präsente Angst, die von den Medien geschürt wird, als Ursache für die Gewalttat herangezogen;
kein Wort davon, dass - wie mir zu Ohren kam - praktisch alle solchen Taten von Menschen verübt wurden, die mit
Psychopharmaka behandelt worden seien. Vielleicht ist diese These falsch, aber zumindest die Frage muss erlaubt sein,
warum so auf eine einzige Ursache hingearbeitet worden ist - ist es bzgl. anderer Ursachen nicht "gewünscht", diese öffentlich
zu benennen?!
Bei "Sicko" liegt der Fall ähnlich: Die Fehler des amerikanischen Systems werden nicht dadurch besser, dass man das ebenfalls
abstruse Gesundheitssystem in Europa als Vorbild nimmt. (Zu der Art der Abstrusität siehe
hier.)
Im Falle der Filme über die Nahrungsmittelproduktion wird das Hauptargument nicht entkräftet (so weit mir bekannt, ich habe mir
über diese Filme nur berichten lassen), das von der Seite der solchermaßen Produzierenden oft genannt wird, nur so könne man
die Mengen an Nahrungsmitteln produzieren, die über 6 Mrd. Menschen benötigen würden. Dies ist definitiv falsch, es gibt heute
1. ökologische Anbaumethoden, die enorme Erträge versprechen, und 2. wird nach wie vor eine gewaltige Energie in die
Produktion von Nahrungsmitteln aus Tieren (Fleisch, Milch, etc.) investiert - was für den Menschen fast ausschließlich
negative Auswirkungen hat, ökologisch wie gesundheitlich.
Schließlich bleibt meine Hauptkritik an dem Film Al Gore's: Er stellt die allgemein akzeptierte Ursache der Klimaerwärmung,
die Produktion von Treibhausgasen, in den Mittelpunkt. So weit mir bekannt, gibt es keinen wissenschaftlichen Beweis für
diese These, dass die so genannten "Treibhausgase" tatsächlich für die Klimaerwärmung verantwortlich seien. Die "Beweise",
die Al Gore anführt, sind rein statistischer Natur und deshalb höchst unwissenschaftlich, denn parallel zu der Produktion
von mehr CO² hat die Menschheit zum Beispiel auch Regenwälder abgeholzt. Nun könnte man sagen, dass dies den gleichen Effekt
verstärken würde, aber tatsächlich wird nur ein kleiner Teil des Sauerstoffes von Wäldern erzeugt; ein wesentlich größerer
Teil dagegen vom Meer. Und der klimaregulierende Effekt der Regenwälder könnte durchaus auch daher rühren, dass Wälder
durch die Feuchtigkeit und den damit verbundenen kühlenden Effekt das Klima positiv beeinflussen.
Andere Effekte, die parallel gelaufen sind: Die Menschen haben
freie Flächen in Asphaltflächen oder Betonflächen umgewandelt, haben die Anzahl der "Nutz"-Tiere drastisch erhöht, haben
elektromagnetische Strahlungen in vielfacher Art und Weise eingesetzt. Genau in dem zuletzt genannten Bereich gibt es Beweise,
nämlich dass elektromagnetische Strahlungen tatsächlich zu thermischen Effekten führen, teilweise
werden diese ja auch genau deshalb in der Medizin gezielt eingesetzt (Infos dazu bei
www.umweltjournal.de).
Auch hier also nur ein winziger Teil der "Wahrheit", die Al Gore darstellt. (Und vielleicht ist genau dies das "unbequeme"
daran - die echte Wahrheit muss sich der Zuschauer selbst suchen, das kann wahrlich unbequem sein ;-)
Fast überflüssig zu sagen, dass die dargestellte Lösung von "Eine unbequeme Wahrheit" den Zuschauer kaum mehr ernst nimmt, ja ihn praktisch für blöde
erklärt:
Die von Al Gore empfohlenen Maßnahmen sind vielleicht in Amerika ungewöhnlich, in Europa sind sie längst
etabliert.
In seinem Film erwähnt Al Gore, dass die Auswirkungen auf das Klima in den 70er Jahren so offensichtlich
wurden, dass nicht einmal die kurzsichtigsten Beobachter dies leugnen konnten. Gleichzeitig weisen die von ihm empfohlenen
Maßnahmen den Weg zu den Schadstoffemissionen von Anfang der 70er Jahre - also zu dem Zeitpunkt, als sie bereits nach
seiner und der "etablierten" Theorie zu hoch lagen.
Zurück zu dem Titelthema, der "Resonanz des Negativen". Aus der Tatsache, dass die Zuschauer genau solche Filme
zu den erfolgreichen machen, kann man verschiedenes schließen.
Die Gefühle des Ärgers, der Wut, des Mißbraucht-Werdens, der Machtlosigkeit angesichts der Übermacht
der Mißstände und viele andere mögliche Gefühle rühren etwas in den Zuschauern an, was diese kennen. Natürlich stammt dieses
"kennen" meist aus völlig anderen Zusammenhängen, z.B. aus frühkindlichen Phasen, der unnatürlichen Behandlung während und
unmittelbar nach der Geburt, unserem widermenschlichen Schulsystem und vielem anderem. Aber so lange die negativen Gefühle,
die wir aufgrund dieser Ereignisse in uns tragen, nicht bearbeitet sind, so lange können Filme, die diese Mißstände aufzeigen,
etwas in uns zum Klingen bringen, und werden deshalb von uns in großem Maße konsumiert. Derjenige, der diese Gefühle
bereits transformiert hat, wird deshalb den Themen nicht uninteressiert gegenüber stehen, aber er wird sich auf die Aufnahme
der Fakten konzentrieren, was oft besser und schneller möglich ist, als durch solche Filme, die natürlich so strukturiert sind,
um die Menschen zu berühren.
Auch die (vermeintlichen) Lösungen, die präsentiert werden, rühren an etwas an, vielleicht ist es in
vielen Fällen das Elternbild: Es gibt dort jemanden, der weiß was zu tun ist, der weiß, wie die Sache wieder ins Lot zu
bringen ist. So kann der Zuschauer beruhigt das Kino verlassen, und ein Schuft ist, wer dabei denkt, dass er damit auch
gleichzeitig in die Passivität versetzt wurde, sich darauf zu verlassen, dass die "Eltern" (sprich Filmemacher) die Sache
dann wohl auch richten werden...
Dies ist meines Erachtens die große Gefahr an den "Aufklärungsfilmen": Sie sorgen nur selten dafür, dass Menschen sich daran
machen, etwas zu verändern. Und - wer das Prinzip des Yoga kennt: "Wohin die Aufmerksamkeit gerichtet wird, dahin fließt die
Energie" - sie führen noch zu etwas anderem: Sie richten die Energie auf das Negative, und stärken damit diese Seite. Es bleibt
zu hoffen, dass in Zukunft auch Filme, die konsequent einen anderen Weg gehen, von staatlichen Stellen (Filmförderung)
unterstützt werden. (Und das sage ich nicht nur, weil ich für das eine oder andere eigene Projekt gerne eine solche
Unterstützung hätte, sondern hauptsächlich, da ich viele Menschen kenne, die höchst interessante Filmprojekte im Kopf haben,
aber sich wesentlich mehr als ich von dem Fehlen eines angemessenen Budgets bremsen lassen.)
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